Arbeitslosenquote oesterreich ams

Sie öffnen die Zeitung, lesen von steigender Arbeitslosigkeit, und im selben Atemzug fällt Ihnen ein, dass Ihre Stelle für einen Monteur seit vier Monaten unbesetzt ist. Das fühlt sich falsch an. Wenn mehr Menschen ohne Job sind, müsste doch auch für Sie leichter jemand zu finden sein.
Ist es aber nicht. Und das liegt nicht an Ihnen. Die Arbeitslosenquote, die das AMS Monat für Monat veröffentlicht, ist eine wichtige Kennzahl. Nur sagt sie über Ihre konkrete Suche nach einem Facharbeiter, einer Pflegekraft oder einem Lehrling deutlich weniger aus, als man auf den ersten Blick denkt.
Was genau misst diese Quote eigentlich? Warum kann sie steigen, während Ihnen die Bewerbungen trotzdem ausbleiben? Und wie lesen Sie die AMS-Zahlen so, dass sie Ihnen bei Ihrer Personalplanung wirklich helfen? Darum geht es hier.
Grundlagen
Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition ist der Anteil der beim AMS als arbeitslos vorgemerkten Personen an allen unselbständig Erwerbspersonen. Sie zeigt also, wie viele Menschen offiziell Arbeit suchen, gemessen an denen, die grundsätzlich für eine Anstellung zur Verfügung stehen.
Wichtig für das Verständnis ist, dass es in Österreich zwei Rechenwege gibt. Das AMS und das Sozialministerium verwenden die nationale Definition. Daneben gibt es die internationale Berechnung nach Eurostat, die meist eine niedrigere Zahl ergibt, weil sie anders zählt. Wenn zwei Medien im selben Monat unterschiedliche Prozentwerte nennen, liegt es oft genau daran.
Für Sie als Inhaber ist die nationale AMS-Quote die relevantere. Sie speist sich aus genau dem Pool, in dem auch Sie nach Personal suchen, nämlich den beim AMS gemeldeten Arbeitsuchenden.
Der Widerspruch
Weil eine Gesamtzahl nichts über einzelne Berufe, Regionen und Qualifikationen sagt. Die Arbeitslosenquote ist ein Durchschnitt über das ganze Land und alle Branchen hinweg. Ihr Betrieb sucht aber nicht irgendjemanden, sondern eine bestimmte Person mit bestimmten Fähigkeiten, an einem bestimmten Ort.
Ein großer Teil der gemeldeten Arbeitslosen hat nicht die Qualifikation, die gerade gesucht wird. Wenn Sie einen erfahrenen Elektriker brauchen, hilft es Ihnen wenig, dass insgesamt mehr Menschen arbeitslos sind, solange in dieser Gruppe kaum ausgebildete Elektriker sind. Der sogenannte Mismatch, also die Lücke zwischen dem, was Betriebe suchen, und dem, was Arbeitsuchende mitbringen, ist in vielen Handwerks-, Pflege- und Technikberufen groß.
Arbeitslosigkeit verteilt sich nicht gleichmäßig. In einer Stadt kann die Quote hoch sein, während im ländlichen Bezirk daneben Betriebe händeringend suchen. Menschen ziehen nicht ohne Weiteres für eine Stelle um, schon gar nicht bei mittlerem Lohn und teurem Wohnraum. Ihre offene Stelle konkurriert also nicht mit dem ganzen Land, sondern mit dem, was Menschen im Umkreis von etwa 30 bis 40 Minuten erreichbar finden.
Ein Teil der Bewegung in der Quote ist saisonal. Im Winter steigt sie durch Bau und Tourismus, im Frühjahr sinkt sie wieder. Diese Schwankungen haben mit dem Grundproblem, dass qualifizierte Leute fehlen, oft wenig zu tun. Ein reiner Blick auf den Monatswert kann deshalb in die Irre führen.
Eine hohe Arbeitslosenquote bedeutet nicht, dass die Menschen für Ihre Stelle einfach nur nicht wollen. Meist sind sie schlicht nicht im passenden Beruf oder in der passenden Region.
Richtig lesen

Schauen Sie nicht auf die Gesamtquote, sondern auf die Details, die das AMS bereitstellt. Die Gesamtzahl ist für die Politik gedacht, für Sie sind die Aufschlüsselungen interessant.
Das AMS veröffentlicht Daten nach Bundesland, Bezirk, Berufsgruppe und Qualifikationsniveau. Genau dort finden Sie, was Ihre Lage betrifft. Zusätzlich gibt es das AMS-Qualifikationsbarometer, das für einzelne Berufe zeigt, ob der Arbeitsmarkt eher überversorgt oder ausgetrocknet ist.
Praxisbeispiel
Ein Installationsbetrieb mit zwölf Mitarbeitern in einem Landbezirk sucht einen Gesellen. Die landesweite Quote sagt ihm nichts. Ein Blick auf die Bezirkszahlen und das Qualifikationsbarometer zeigt dagegen klar, dass in seinem Beruf und seiner Region auf jede vorgemerkte Fachkraft mehrere offene Stellen kommen. Warten bringt hier nichts. Aktiv suchen und selbst ausbilden sind der Weg.
Zwei Denkweisen

Wer auf eine sinkende Quote wartet, um leichter Personal zu finden, wartet meist vergeblich. In den Engpassberufen entspannt sich die Lage nicht, nur weil die Gesamtzahl steigt. Die beiden Wege im Vergleich.
Gerade für einen Betrieb mit 5 bis 50 Mitarbeitern ist der zweite Weg der realistische. Sie haben nicht die Personalabteilung eines Konzerns, aber Sie haben etwas anderes. Nähe, ein überschaubares Team und die Möglichkeit, jemanden persönlich zu entwickeln. Das ist Ihr Vorteil gegenüber großen, anonymen Arbeitgebern.
Wenn passende Fachkräfte am Markt fehlen, ist die eigene Lehrstelle oft der verlässlichste Weg. Sie bilden über drei, vier Jahre genau die Person aus, die zu Ihrem Betrieb passt. Das AMS und die Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer unterstützen dabei, und viele erfolgreiche Lehrbetriebe berichten, dass ihre besten Leute im eigenen Haus gelernt haben.
Einordnung
Die Arbeitslosenquote sagt Ihnen, wie das allgemeine Klima am Arbeitsmarkt gerade ist. Sie sagt Ihnen nicht, ob Sie nächsten Monat Ihren Monteur finden. Diese beiden Ebenen zu trennen, erspart viel Frust und einige falsche Schlüsse.
Steigende Zahlen bedeuten für einen Betrieb in einem Engpassberuf oft gar keine Entlastung. Der Wettbewerb um die wirklich gefragten Qualifikationen bleibt hart, egal was der Durchschnitt macht. Wer das versteht, hört auf zu warten und fängt an, seinen eigenen kleinen Markt aktiv zu bearbeiten.
Nutzen Sie die AMS-Daten dort, wo sie stark sind, nämlich bei den regionalen und berufsspezifischen Details. Und stützen Sie Ihre Personalplanung nicht auf eine einzige Prozentzahl, sondern auf das konkrete Bild in Ihrem Bezirk und Ihrer Branche.
Der Blick nach vorn ist einfacher, als er klingt. Betriebe, die früh und sichtbar suchen und die selbst ausbilden, stehen in fast jedem Konjunkturklima besser da als die, die auf die Statistik warten.
Umsetzung
Fünf Schritte, mit denen Sie aus der abstrakten Zahl eine brauchbare Entscheidung machen.
Beim letzten Punkt hakt es bei vielen Betrieben. Die Fachkräfte suchen längst online nach Arbeitgebern. Wahrgenommen wird dabei der Betrieb, der auffindbar ist und einen guten Eindruck macht. Genau hier unterstützen wir von PRAEVISIO DIGITAL Betriebe dabei, für die richtigen Leute in ihrer Region sichtbar zu werden. Ohne großes Budget, dafür mit einem klaren Auftritt.
Häufige Fragen
Das AMS veröffentlicht die Zahlen monatlich, meist Anfang des Folgemonats. Zusätzlich gibt es unterjährige Auswertungen nach Bundesland, Bezirk und Berufsgruppe. Für die Personalplanung eines Betriebs sind diese detaillierten Aufschlüsselungen nützlicher als der Gesamtwert.
Weil es zwei Berechnungsarten gibt. Die nationale Definition des AMS und die internationale nach Eurostat zählen unterschiedlich, deshalb ergeben sich für denselben Monat abweichende Werte. Die Eurostat-Quote liegt meist niedriger. Für die Suche nach Personal ist die nationale AMS-Quote die praxisnähere Kennzahl.
Weil die Gesamtquote ein Durchschnitt über alle Berufe und Regionen ist. In vielen Handwerks-, Technik- und Pflegeberufen fehlen die passend qualifizierten Leute, unabhängig vom allgemeinen Wert. Entscheidend ist die Lage in Ihrem Beruf und Ihrem Bezirk, nicht die landesweite Zahl.
Das Qualifikationsbarometer ist ein kostenloses Online-Werkzeug des AMS, das für einzelne Berufe zeigt, ob der Arbeitsmarkt eher überlaufen oder ausgetrocknet ist. Sie sehen dort, wie gefragt Ihr Beruf ist und welche Zusatzqualifikationen aktuell gesucht werden. Das hilft bei der Einschätzung Ihrer Suche.
In den meisten Engpassberufen ja. Fertige Fachkräfte sind schwer zu bekommen, während eigene Lehrlinge über die Ausbildungszeit genau auf den Betrieb zugeschnitten werden. AMS und die Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer unterstützen Lehrbetriebe dabei, auch finanziell.
Autor
Enrico Ender
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